Prof. Dr. Lauth über das AD(H)S-Training

Wir haben Herrn Prof. Dr. Lauth, den Entwickler des im DINpäd Institut mit einer entsprechenden Zertifizierung eingesetzten AD(H)S-Trainings, um die Beantwortung von drei Fragen gebeten.

 

Wir danken Prof. Lauth herzlich für seine Ausführungen.

DINpäd: Prof. Lauth, welches Konzept steckt hinter dem Training?

 

Prof. Dr. Lauth: Das Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kinder ist für aufmerksamkeitsgestörte / hyperaktive Kinder im Alter von 6-12 Jahren entwickelt worden. Es handelt sich um ein kognitiv-behaviorales Übungsprogramm, das den Kindern sowohl Ideen, wie man bei Aufgaben und Schwierigkeiten vorgehen kann, als auch das dazugehörige Verhalten (etwa genau hinschauen, eine Aufgabe mit eigenen Worten beschreiben, einen Plan fassen, bei Schwierigkeiten innehalten, am Ende prüfen) vermittelt. Die erste Fassung des Programmes wurde von dem Psychologen P. F. Schlottke und mir bereits 1993 herausgegeben. Seitdem wurde es sechs Mal überarbeitetet. Als „Klassiker“ unter den verhaltenstherapeutischen Programmen, hat es sich in wissenschaftlichen Studien und in der Praxis vielfach bewährt.


Das Übungsprogramm will die Fähigkeiten des Kindes stärken. Es soll lernen, planvoller und überlegter an wichtige Dinge heranzugehen. Beispielsweise sich in der Schule mehr beteiligen, bei den Hausaufgaben zügiger und fehlerfreier arbeiten oder zu Hause nicht so schnell ausrasten. Dafür absolvieren sie ein Lernprogramm, das aus schwierigen Aufgaben besteht, bei denen man Acht geben und sorgsam vorgehen muss. So übt sich das geeignete Vorgehen. Von Sitzung zu Sitzung probieren die Kinder außerdem in „Hausaufgaben“ das Gelernte aus.


Das Programm sieht – weil nur dann Erfolge eintreten können - die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern und oft auch den Erziehern oder Lehrern vor. Sie sollen „wissen was läuft“, wichtiger aber noch, sie sollen das Kind im Positiven anleiten und ihm im Alltag Sicherheit geben.

 


DINpäd: Was soll vermittelt werden?

 

Prof. Dr. Lauth: Das Training gliedert sich in zwei Behandlungsschwerpunkte, das Basistraining und das Strategietraining.


Das Basistraining zielt auf die Verbesserung wesentlichen Basisfertigkeiten für Aufmerksamkeit, wie genau hinsehen, beobachten können, genaues Hinhören und Nacherzählen sowie das Erlernen spezieller Strategien zur Lenkung der Aufmerksamkeit. Zudem geht es um Fähigkeiten der Selbststeuerung, beispielsweise sich bremsen, innehalten, Getanes überprüfen. Dieses Training ist für die jüngeren Kinder gedacht.


Das Strategietraining vermittelt, wie man planvoll und überlegt an Aufgaben herangeht. Geeignete Vorgehensweisen (Strategien) und Selbstanweisungen stehen dabei im Mittelpunkt. Die Kinder lernen Handlungen eigenständig und problemangemessen auszuführen (steuern), bedacht und planvoll an Aufgaben und Probleme heranzugehen. Ziel sind eigenständige Überlegungen und Ableitungen, wie sie ein Problem oder eine Aufgabe lösen können sowie bei Schwierigkeiten innezuhalten und neu nachzudenken. Die Kinder nehmen sich ein Vorbild am „Trainer“, der zeigt wie es geht. Sie lösen im Training verschiedene Aufgaben. Eltern und Lehrer werden darum gebeten, dass sie das Kind von nun an wirksam unterstützen. Dieses Training richtet sich an die schon etwas älteren Kinder.

 

 

DINpäd: Hilft das Training wirklich?

 

Prof. Dr. Lauth: Das Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern wurde mehrfach evaluiert. In der Mehrzahl der Studien werden mittlere Effektstärken erzielt. Das bedeutet, dass im Mittel Fortschritte um 75 % erreicht werden. Besonders gut gelingt das Training, wenn mit den Kindern einzeln gearbeitet wird und Eltern bzw. Lehrer intensiv hinzugezogen werden.

Über das Training ändern sich auch neurophysiologische Parameter, die mit Wachheit und punktueller Konzentration verbunden sind. Über die sehr ansprechenden und gut aufeinander aufbauenden Trainingsmaterialien gelingt es schnell Kinder zu motivieren und so zu Erfolgen in der Arbeit zu gelangen. Diese Erfolge sind es, die die Kinder lernwillig und begierig machen und so  Veränderungen des Verhaltens und neue Fertigkeiten ermöglichen. Die bisherigen Forschungsergebnisse lassen erwarten, dass mit einem Training, das 10 und mehr Trainingseinheiten umfasst, länger anhaltende Erfolge erzielt werden können.

Dezember 2012